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LEVERKUSENER ERKLÄRUNG 2026

Vertreter des Schwedter Geschichtsvereins e. V. waren vom 10. bis 14. September 2026 in der Partnerstadt Leverkusen und haben die Leverkusener Erklärung unterschrieben.

Unterzeichnung der Leverkusener Erklärung durch Harald Sichtig, Vorsitzender des Schwedter Geschichtsvereins e. V. und Michael D. Gutbier, 1. Vorsitzender des Opladener Geschichtsverein von 1979 e.V. Leverkusen (Foto: Christian Drach/OGV)

Städte, Geschichte und Demokratie - Europa gemeinsam gestalten

Verabschiedet im Rahmen des europäischen Workshops ‚Europa vor Ort - Stadtentwicklung, Demokratie und Erinnerungskultur in europäischen Städten‘, Leverkusen und Jülich, 10. bis 14. September 2026.

Mission

Eine Kultur lokaler Erinnerung als Grundlage für die Gestaltung einer gemeinsamen demokratischen Zukunft pflegen.

v.l.n.r.: Stefan Hebbel, Oberbürgermeister der Stadt Leverkusen, Harald Sichtig, Vorsitzender des Schwedter Geschichtsvereins e. V. und Michael D. Gutbier, 1. Vorsitzender des Opladener Geschichtsverein von 1979 e.V. Leverkusen (Foto: Christian Drach/OGV)

Präambel

Wir, die Vertreterinnen und Vertreter des europäischen Netzwerks StadtRäume / UrbanSpaces, sind vereint in der Überzeugung, dass Europa in seinen Städten und Gemeinden gebaut wird. Es wächst überall dort, wo Menschen einander begegnen, sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen, Verantwortung übernehmen und ihre gemeinsame Zukunft demokratisch gestalten.
Die historischen Erfahrungen unserer Städte sind unterschiedlich und doch eng miteinander verbunden. Sie zeigen den Wert und die Zerbrechlichkeit der Demokratie sowie die Folgen von Ausgrenzung, Propaganda, Autoritarismus, Krieg und der Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit. Die Auseinandersetzung mit Geschichte ist daher kein Selbstzweck. Sie ist eine Ressource für demokratische Urteilsbildung, Teilhabe und Handeln in der Gegenwart.

Mit dieser Erklärung verbinden wir gemeinsame Grundsätze mit einem konkreten Arbeitsprogramm bis 2030. Sie ist eine politische und organisatorische Selbstverpflichtung der Unterzeichnenden, begründet jedoch keine rechtlich durchsetzbaren Ansprüche oder automatischen finanziellen Verpflichtungen.

Unsere drei Säulen

1. Netzwerk: Wir werden StadtRäume / UrbanSpaces als dauerhaftes, offenes europäisches Netzwerk stärken, das Kommunen, Geschichtsvereine, Museen, Bildungs- und Kultureinrichtungen, die Zivilgesellschaft, die Wissenschaft und interessierte Einzelpersonen miteinander verbindet.

2. Jugendbeteiligung: Junge Menschen sind zentrale Mitwirkende mit eigener Stimme, Vertretung und Verantwortung. Ihre Beteiligung wird die Grundlage für ein dauerhaftes europäisches Netzwerk schaffen.

3. Bildung: Wir werden lokale Geschichte, europäischen Vergleich und demokratische Praxis in zugänglicher historischer und politischer Bildung miteinander verbinden. Kritisches Denken und Medienkompetenz sind zentrale Ziele.

Thematische Leitlinien

1. Erinnerungskultur: Wir bewahren und vermitteln vielfältige lokale Erinnerungen, machen Erfahrungen von Ausgrenzung, Verfolgung und Widerstand sichtbar und verstehen Erinnerung als gemeinsame, kritische und offene europäische Aufgabe.

2. Demokratie: Wir stärken demokratisches Bewusstsein, bürgerschaftliche Teilhabe und Rechtsstaatlichkeit. Historisches Wissen soll Menschen befähigen, Bedrohungen der Demokratie zu erkennen und verantwortungsvoll zu handeln.

3. Stadtentwicklung: Wir untersuchen, wie Planung, Architektur, Industrie, Infrastruktur, Migration, sozialer Wandel und bürgerschaftliches Engagement unsere Städte geprägt haben - und wie Bürgerinnen und Bürger heute an der Gestaltung nachhaltiger und inklusiver Städte mitwirken können.

4. Die europäische Idee: Wir verstehen Europa als eine Gemeinschaft gemeinsamer Werte, Verantwortung und Solidarität. Der Austausch zwischen Städten verwandelt unterschiedliche Erfahrungen in gegenseitiges Verständnis und praktische grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Gemeinsame Grundsätze

Wir treten für Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Pluralismus, Toleranz, Solidarität und Frieden ein.
Wir schützen die offene Debatte und wenden uns zugleich gegen Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus, Hass, Geschichtsverfälschung und antidemokratische Narrative.
Wir betrachten Städte, historische Orte, Archive, Museen und öffentliche Räume als lebendige Räume der Demokratie und des gemeinsamen Lernens.
Wir gestalten die Teilhabe inklusiv, mehrsprachig und so barrierefrei wie möglich, behalten Englisch als gemeinsame Arbeitssprache bei und beziehen aktiv Perspektiven ein, die allzu oft ungehört geblieben sind.
Wir lernen durch Vergleich: Lokale Erfahrungen werden in einen europäischen Kontext gestellt, ohne Unterschiede zu verwischen oder unterschiedliche Geschichten gleichzusetzen.
Wir arbeiten transparent, respektvoll und auf der Grundlage gemeinsamer Verantwortung zwischen den Generationen.

Vorgeschlagenes Arbeitsprogramm 2026-2030

1. Netzwerk und Steuerung: Jeder Partner benennt zwei Projektansprechpersonen, von denen eine eine junge Person sein muss. Eine gemeinsame Steuerungsgruppe trifft sich mindestens vierteljährlich online; mindestens einmal im Jahr findet ein offenes europäisches Netzwerkforum statt.
2. Jugendbeteiligung: Junge Menschen werden auf allen Ebenen vollständig in die Projektarbeit einbezogen. Darüber hinaus können sie eigene Treffen der Jugendvertretungen organisieren, einschließlich persönlicher Treffen.
3. Bildungsprogramm: Die Partner streben an, gemeinsam übertragbare Module zu Stadtentwicklung, Demokratie und Erinnerungskultur zu entwickeln und dabei lokale Fallstudien sowie den Ansatz Geschichte-Daten-Debatte zu nutzen. Jeder teilnehmende Partner erprobt oder übernimmt bis 2030 mindestens ein geeignetes Format.
4. Gemeinsame öffentliche Ergebnisse: Das Netzwerk strebt an, die europaweite Ausstellung zur Stadtentwicklung europäischer Städte, mehrsprachige digitale Präsentationen, audiovisuelle Dokumentationen sowie eine gemeinsame Sammlung von Methoden und guter Praxis weiterzuentwickeln.
5. Demokratische Resilienz und Medienkompetenz: Bildungs- und Medienaktivitäten verbinden historische Reflexion mit aktuellen Herausforderungen, darunter Polarisierung, Desinformation und der Missbrauch von Geschichte.
6. Inklusion und Schutz: Die Aktivitäten folgen gemeinsamen Standards gegen Diskriminierung sowie den Grundsätzen der Geschlechtergleichstellung, Barrierefreiheit, des Datenschutzes und des Schutzes von Kindern und Jugendlichen.
7. Projektentwicklung und Ressourcen: Die Partner werden geeignete gemeinsame Initiativen im Rahmen von CERV, Erasmus+ und anderen Programmen vorbereiten. Die Zusammenarbeit und die vereinbarten Kernaktivitäten werden unabhängig von einzelnen Förderentscheidungen fortgesetzt. Alle Projektpartner werden versuchen, zusätzliche Finanzierung und Unterstützung zu finden.
8. Erweiterung und Beitritt: Das Netzwerk begrüßt weitere Städte und Organisationen, die diese Erklärung unterstützen. Sie können durch Einreichung der beigefügten Beitrittserklärung beitreten.
9. Überprüfung: Die Fortschritte werden jährlich überprüft. Im Jahr 2030 werden die Partner gemeinsam die Umsetzung bewerten und eine erneuerte strategische Perspektive beschließen.

Aufruf aus Leverkusen

Wir laden Städte, Organisationen, Bildungs- und Kultureinrichtungen, zivilgesellschaftliche Initiativen, junge Menschen und weitere Interessierte in ganz Europa ein, sich diesem Vorhaben anzuschließen. Europas demokratische Zukunft wird gestärkt, wenn Geschichte vor Ort verstanden, über Grenzen hinweg diskutiert und in gemeinsames Handeln übersetzt wird.
Stadtgeschichte lokal verankert - europäisch vernetzt.

Kontakt

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Stadtmuseum Schwedt/Oder
Jüdenstraße 17
16303 Schwedt/Oder
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03332 23460
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