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Ein historischer Stadtplan ist gerettet!

Einladung zum Vortrag von Gunda Oelmann

19.11.2026, 16:30 Uhr

Stadtmuseum Schwedt/Oder

Es sind die detailreichen Informationen, die diesen unscheinbar wirkenden Stadtplan, gezeichnet auf einfachem Packpapier, so besonders macht. Der Plan zeigt die Stadt Schwedt in der Markgrafenzeit, also etwa vom Ende des 17. Jh. bis Ende des 18. Jh. Sämtliche Grundstücke sind aufgeführt, sogar die Eigentümer werden benannt. Ein Schatz für Historiker und Heimatforscher!

Zwischen 1940 und 1948 hielt Paul Borngräber fest, was über die historische Stadt bekannt war. Besonders unter dem Eindruck der massiven Zerstörung nach Kriegsende war es ihm scheinbar ein Bedürfnis, die Informationen für die Nachwelt zu sichern. Gezeichnet wurde der Stadtplan auf drei Teilen Packpapier, die miteinander verklebt wurden. Unterstützung erhielt Borngräber von seinem Sohn Rudi, der aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte und Junglehrer wurde. Rudi Borngräber unterrichtete Deutsch, Mathematik und Turnen und wurde später erster Direktor der Oberschule 2.

Dass die vielen Details auf dem Borngräber Stadtplan heute wieder sichtbar sind und für die Forschung zur Verfügung stehen, verantwortet Gunda Oelmann. Die Diplom-Restauratorin betreibt ihr Atelier im Boitzenburger Land. Sie ist spezialisiert auf die Konservierung und Restaurierung von historischen Objekten aus den Bereichen Textil, Malerei und Papier, auch Altarbilder.

Der historische Stadtplan stellte die Restauratorin vor immense Herausforderungen: „Es war höchste Zeit und die Arbeit wie eine OP am offenen Herzen. Das poröse Papier wäre ohne den Eingriff weiter zerbröselt und sämtliche Informationen über kurz oder lang verloren gegangen“.

In verschiedenen Arbeitsschritten wurde die Karte „wiederbelebt“. Zunächst wurde der Plan flach ausgerollt, begutachtet und die Vorder- und Rückseite zeitaufwändig von zahlreichen Schichten verschiedener Klebestreifen befreit. Diese wurden in der Vergangenheit in guter Absicht angebracht, haben aber weitere Schäden wie Knicke und Brüchen sowie unnatürliche Verformungen und Spannungsverschiebungen im Papier verursacht.

Nach der Trocken-Reinigung erfolgte die Nassreinigung. Die Zugabe von Feuchtigkeit ist für altes Papier von immenser Bedeutung. Das billige Packpapier, das mit der Zeit spröde und rissig geworden war, konnte wieder „aufatmen“, um im OP-Jargon zu bleiben. Die komplette Doublierung des fragilen Planes auf einen Träger aus japanischen Faserpapier war ein weiterer Schritt zur Erhaltung. Neutralretuschen und Ausbesserungen von einzelnen Fehlstellen bildeten den Abschluss des umfassenden Restaurationsprozesses. Nun strahlt der Stadtplan in frischem Glanz und in einem maßgefertigten Rahmen. Er wird zunächst im Museum gezeigt und perspektivisch dann ins Stadtarchiv umziehen.

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