Eine Blonde Provinz
Polen und der deutsche Rassenwahn
Filmpräsentation mit den Filmemachern Jacek Kubiak und Klaus Salge
13. September 2025, 15 Uhr
Eintritt frei!
Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 wurden Tausende Polen vertrieben, deportiert und umgebracht. In den folgenden Monaten nahmen die Nazis im neugeschaffenen „Reichsgau Wartheland” eine ethnische Neuordnung vor. Hunderttausende Vertriebene mussten den „Volksdeutschen” weichen, die vor allem aus der sowjetischen Einflusszone „heimgeholt” wurden. Für die jüdischen Polen begann ein Leidensweg, der für die meisten in den Vernichtungslagern endete.
Der Film stellt drei Männer vor, die beim deutschen Überfall auf Polen noch Kinder waren und deren Schicksal mit der Stadt Posen/Poznan verbunden ist: Zwi Steinitz aus Tel Aviv, der nach 70 Jahren zum ersten Mal wieder in sein Geburtsland reiste, um den Ort zu besuchen, an dem seine Eltern ermordet wurden. Henryk Jaszcz, der nach dem Überfall vergeblich seine Eltern in Posen suchte und dessen Weg in den Widerstand führte. Und Dieter Bielenstein, der als 12jähriger mit seinen Eltern aus Lettland nach Posen kam.
Dieter Bielenstein, 1931 in Mitau (lettisch Jelgava) in Lettland geboren, lebte von 1940 bis 1945 in Posen. Er studierte Jura, Geschichte und Soziologie in Göttingen und Bonn, war als Journalist und viele Jahre im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung tätig, u.a. als Leiter des Büros in Tokyo.
Henryk Jaszcz, 1922 geboren, wurde mit seiner Familie aus Posen in das Generalgouvernement ausgesiedelt. Er schloss sich dort der "Armia Krajowa", der polnischen Untergrundarmee, an. Noch heute ist er im Verband der Veteranen der Armia Krajowa tätig.
Zwi Steinitz, 1927 geboren, wurde 1939 mit seiner Familie aus Posen vertrieben. 1941 kam die Familie ins Krakauer Ghetto, die Eltern und sein Bruder wurden 1942 im Vernichtungslager Belzec ermordet. Über die Lager Plaszow, Auschwitz und Buchenwald kam er 1945 in das KZ Sachsenhausen und wurde im April 1945 bei Schwerin befreit. 1946 erreichte er mit einem Schiff Palästina.
Für die Diskussion nach dem Film wurde die Filmemacher Jacek Kubiak und Klaus Salge eingeladen. Jacek Kubiak, 1957 geboren, Mitbegründer von Solidarność in Polen. Er ist seit 1989 journalistisch tätig, inzwischen mit einer eigenen TV-Produktion in Poznan. Die deutsch-polnischen Beziehungen sind eines der Hauptthemen seiner Arbeit. Klaus Salge, 1965 geboren, ist seit 1979 Regisseur und Autor von Dokumentarfilmen im Fernseh- und Kinobereich. Es entstanden Filme mit Mikis Theodorakis, Harry Mulisch, Peter Schneider, sowie Dokumentationen zum Fall der Mauer und zur Geschichte der militanten linken Gruppen in Deutschland (mit Klaus Stern).
Eine blonde Provinz - Polen und der deutsche Rassenwahn
Dokumentation, RBB/ARTE 2008, 52 min
Regie: Jacek Kubiak und Klaus Salge